Mosel erblüht – Zukunft geht auf

17. Moselkongress setzt Impulse für die Region

Mutige Ideen, gelebte Heimatverbundenheit und die Kraft des Miteinanders standen im Mittelpunkt des 17. Moselkongresses am 28. Oktober 2026 im Kulturzentrum Kapuzinerkloster in Cochem. Unter dem Motto „Mosel erblüht – Zukunft geht auf“ lud die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ dazu ein, die Potenziale der Region neu zu entdecken, Perspektiven zu wechseln und gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Landrat Andreas Hackethal (Kreis Bernkastel-Wittlich), Vorsitzender der Regionalinitiative „Faszination Mosel“, begrüßte die Gäste und unterstrich die Bedeutung des gemeinsamen Engagements für die Moselregion. Das Themenjahr „Mosel erblüht“ stehe nicht allein für die Blütenpracht der Landschaft, sondern insbesondere für die vielen Ideen, Projekte und Menschen, die die Region voranbringen. Mit dem Wettbewerb #moselhelden werde dieses Engagement sichtbar gemacht und gewürdigt. Sein besonderer Dank galt dem Land Rheinland-Pfalz für die Unterstützung durch die Wirtschaftsstandortmarke Rheinland-Pfalz GOLD sowie WESTENERGIE für die Bereitstellung des Publikumspreises.

Auch Staatssekretär Daniel Stich (Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz) hob die besonderen Qualitäten der Moselregion hervor. Eine der schönsten Weinkulturlandschaften Europas, lebendige Ortskerne, Gastfreundschaft und Lebensfreude machten die Mosel nicht nur zu einer der bedeutendsten Tourismusregionen des Landes, sondern auch zu einem attraktiven Wirtschafts- und Lebensstandort. Die Marke „Faszination Mosel“ stehe dabei für weit mehr als wirtschaftliche Kennzahlen: Sie verkörpere regionale Identität und Zusammenhalt. Gerade Menschen, die vor Ort Verantwortung übernehmen und ihre Heimat aktiv gestalten, seien für die Zukunft unverzichtbar. Stich bekräftigte die weitere partnerschaftliche Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz.

„Die Mosel bietet die idealen Voraussetzungen, um Bewährtes zu bewahren, Chancen zu erkennen und Veränderungen aktiv mitzugestalten: eine einzigartige Landschaft, eine reiche Kultur, starke regionale Produkte und vor allem Menschen, die sich mit Herzblut für ihre Heimat einsetzen. Die Auszeichnung der #moselhelden macht sichtbar, wie viel Kreativität, Tatkraft und Innovationsgeist in der Region stecken. Sie zeigt, dass Zukunft nicht irgendwo entsteht, sondern ganz konkret, in unseren Gemeinden, in unseren Betrieben, in unseren Vereinen und in den Köpfen engagierter Menschen", so Michael Mätzig, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz.

Auf Blütenlese entlang der Mosel
Wie vielfältig die Mosel erblüht, zeigte Dr. Peter Bieg in seinem ebenso unterhaltsamen wie inspirierenden Impulsvortrag. Gemeinsam mit Angelina Fischer hatte er für das Buch „111 Orte an der Mosel, die man gesehen haben muss“ die Region von Perl bis Koblenz erkundet – abseits bekannter touristischer Pfade und auf der Suche nach überraschenden Geschichten, außergewöhnlichen Orten und engagierten Menschen.

Mit viel Humor übertrug er Begriffe aus der Pflanzenwelt auf die Regionalentwicklung. Seine „Blütenlese“ machte deutlich, dass Ideen Offenheit und Begeisterung brauchen, um Früchte zu tragen. Anhand besonderer Orte und Initiativen zeigte er, wie Erfindergeist, Mut, Perspektivwechsel und vor allem Durchhaltevermögen Neues entstehen lassen. Seine Botschaft: Nicht jede Idee blüht sofort. Manchmal braucht es Zeit, Beharrlichkeit und Menschen, die trotz Widerständen an ihrer Vision festhalten.

Mut, Qualität und Zusammenhalt bringen die Mosel zum Blühen
Diese Gedanken griff die anschließende Talkrunde „Zukunft geht auf – Menschen, die die Mosel gestalten“ auf (Foto: Jason Hoffmann - RawFormatMedia). Unter der Moderation von Dr. Sonja Christ-Brendemühl diskutierten Autorin Angelina Fischer, Bürgermeister Jürgen Dixius (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell), Gastronom Norbert Schmitz (Restaurant und Weinbar vierzehn85, Leiwen) und Martin-Christian Möbs vom Verein für Kunst, Kultur und Inklusion e.V. / Pferdefestival über Heimatverbundenheit, regionale Identität und Zukunftsperspektiven.

Angelina Fischer berichtete, wie sehr sie die Entdeckungsreise für ihr Buch selbst überrascht habe. Auch wer an der Mosel lebe, kenne längst nicht alle ihre Schätze. Sie plädierte dafür, die eigene Heimat bewusster zu erkunden und authentische Erlebnisse zu schaffen. Nicht Perfektion, sondern Leidenschaft und persönliche Begegnungen machten eine Region unverwechselbar.

Jürgen Dixius betonte die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit. Angebote müssten stärker miteinander vernetzt, touristische Infrastruktur ausgebaut und die Herausforderungen des Klimawandels gemeinsam angegangen werden. Auch die Baukultur und die Qualität neuer Projekte verdienten größere Aufmerksamkeit. Entscheidend sei, die Besonderheiten der Region zu bewahren und zugleich mutig weiterzuentwickeln.

Für Norbert Schmitz braucht die Mosel vor allem mehr Selbstbewusstsein. Die Region verfüge über hervorragende Produkte, eine außergewöhnliche Landschaft und gelebte Gastfreundschaft. Diese Stärken müssten offensiver vermittelt werden. Mit seiner Weinbar in Leiwen setze er bewusst auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf Qualität, Genuss und persönliche Begegnungen. Sein Appell an junge Gastronomen: den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und stärker zusammenarbeiten.

Wie viel aus einer gemeinsamen Idee entstehen kann, zeigte Martin-Christian Möbs am Beispiel des ehrenamtlich organisierten Pferdefestivals in Piesport. Aus einer Initiative vor rund 20 Jahren sei ein außergewöhnliches Kulturereignis gewachsen, das Menschen weit über die Moselregion hinaus zusammenbringe. Besonders wertvoll sei dabei nicht nur das Festival selbst, sondern das Miteinander der rund 280 Vereinsmitglieder. Gemeinsame Vorbereitungen, Freundschaften und die Begeisterung für ein gemeinsames Ziel seien der eigentliche Motor des Erfolgs.

Bei aller Begeisterung kamen auch Herausforderungen zur Sprache: fehlende Mobilitätsangebote im ländlichen Raum, der Rückgang gastronomischer Treffpunkte sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darin, dass die Region ihre Stärken selbstbewusster zeigen, Qualität in den Mittelpunkt stellen und neue Ideen auch dann verfolgen müsse, wenn der Weg dorthin nicht einfach sei.

Engagement, das Zukunft schafft
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die feierliche Auszeichnung der #moselhelden 2026. Aus insgesamt 81 Bewerbungen hatte eine Fachjury drei herausragende Projekte ausgewählt: Das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbH aus Bernkastel-Kues überzeugte mit „Moselwein in Brailleschrift“, einem innovativen Beitrag zur Inklusion. Die Moosle GmbH aus Kröv wurde für ihre digitale „Moosle-App für den Weinbau“ ausgezeichnet, die moderne Technologie mit den Anforderungen der Weinwirtschaft verbindet. Die Villa Keller by Erasmus aus Saarburg erhielt den Preis für das Projekt „1801 erbaut, 2025 neu gedacht“, das zeigt, wie historische Bausubstanz mit neuem Leben erfüllt werden kann.

Den Publikumspreis sicherte sich der Förderverein der Lesura-Grundschule Lieser e. V. mit dem Projekt „Kinderwingert goes Grundschule“. Mit 809 von insgesamt 7.528 abgegebenen Stimmen begeisterte das Projekt die Öffentlichkeit.

Die drei Jurypreise in Höhe von jeweils 1.000 Euro wurden durch die Wirtschaftsstandortmarke Rheinland-Pfalz GOLD ermöglicht, der ebenfalls mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis durch WESTENERGIE unterstützt. Die Auszeichnungen überreichten die Staatssekretäre Daniel Stich und Michael Mätzig gemeinsam mit Landrat Andreas Hackethal. Begleitet wurden sie dabei von Moselweinkönigin Teresa Oster, der Deutschen Destillatskönigin Anna Steinmann und Weinbergpfirsich-Fee Annabell Hansmeyer.

Bei Wein und regionalem Imbiss nutzten die Gäste anschließend die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und neue Verbindungen zu schaffen.

Der 17. Moselkongress machte deutlich: Die Zukunft der Moselregion wächst dort, wo Menschen ihre Heimat schätzen, Chancen erkennen und gemeinsam etwas bewegen. Damit gute Ideen zum Blühen kommen, braucht es vor allem Mut, Begeisterung und den Willen, gemeinsam anzupacken.