„Das war die entspannteste Traubenlese, die ich jemals erlebt habe.“ Dieser Satz war im Herbst 2026 häufig an Mosel, Saar und Ruwer zu hören. Die Winzerinnen und Winzer zeigten sich positiv überrascht vom Verlauf der Ernte. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es im September keinen Regen und damit auch keine Probleme mit rasant um sich greifender Fäulnis. Die Trauben wurden bei schönstem Wetter eingebracht. Der Selektionsaufwand war gering, die Qualität überaus gut. Viele Betriebe ernteten auch edelsüße Spitzenweine bis hin zur Trockenbeerenauslese. Einziger Wermutstropfen: Die Erntemenge war um etwa 18 Prozent kleiner als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Fest steht: Es war der früheste Beginn einer Traubenlese im Anbaugebiet. Schon Ende August wurden Trauben nicht nur für Federweißen, sondern auch für die Sekt- und Weinproduktion geerntet. Während beispielsweise an der Obermosel die Hauptlese für die Burgundersorten schon Ende August startete, begann die Rieslinglese begann bei vielen Weingütern schon Anfang September und damit so früh wie noch nie. Bereits am 30. September hatten viele Weinbaubetriebe die Ernte beendet. Das Gros der Trauben war in der ersten Oktoberwoche im Keller. Einige Rieslingspezialisten ernteten noch bis Mitte Oktober in den Steillagen.
Die Erntemenge im Mosel-Gebiet wird auf rund 610.000 Hektoliter geschätzt, wie der Vorstand des Moselwein e.V. im Herbstpressegespräch in Detzem berichtete. Die durchschnittliche Erntemenge im Weinbaugebiet lag in den vergangenen zehn Jahren bei rund 700.000 Hektoliter. 2025 wurden 743.000 Hektoliter geerntet, 2024 nur 450.000 Hektoliter.
Die genaue Menge steht erst im kommenden Frühjahr fest, nachdem alle Betriebe ihre amtliche Erntemeldung abgegeben haben. Da die Wachstumsbedingungen entlang der 240 Kilometer langen deutschen Mosel und ihrer Nebenflüsse lokal sehr unterschiedlich sind, ist eine verlässliche Schätzung der Ernte in den vergangenen Jahren mit vielen Wetterturbulenzen kaum noch möglich.
Die extreme Trockenheit im Frühjahr und Sommer 2026 sorgte überall im Gebiet für deutliche Einbußen. Unter dem Niederschlagsmangel und Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius litten vor allem junge Reben. Viele Winzer schnitten schon im August die Trauben von den jungen Pflanzen, um deren Überleben zu sichern. Neu gepflanzte Weinberge mussten bewässert werden, um die Reben am Leben zu erhalten. Weinberge mit steinigen Böden sowie an Standorten mit Kies und Sand waren besonders von der Trockenheit betroffen und lieferten oft deutlich geringere Mengen als üblich. Ältere Rebstöcke konnten aufgrund ihres ausgeprägten Wurzelwerks die Trockenheit besser verkraften. Die alten Reben brachten überwiegend kleine, aber hocharomatische Weinbeeren.
Beim Riesling – mit 62 Prozent wichtigste Sorte der Region – beträgt der Durchschnittsertrag rund 75 Hektoliter je Hektar, so die Schätzung des Weinbauverbandes Mosel, bei den Burgundersorten zwischen 60 und 70 Hektoliter. Müller-Thurgau und Elbling erbrachten Durchschnittserträge von 90 bzw. 100 Hektoliter je Hektar.
Die Ertragsrebfläche im Anbaugebiet Mosel betrug rund 8.136 Hektar. Neupflanzungen und Junganlagen sind darin nicht enthalten. Bezogen auf die Ertragsrebfläche lag der Durchschnittsertrag über alle Rebsorten hinweg bei 75 Hektoliter je Hektar. Die bestockte Rebfläche inklusive Junganlagen umfasste Ende des Vorjahres 8.283 Hektar.
Die Trockenheit im Frühjahr und Sommer hatte den Vorteil, dass kaum Pilzkrankheiten auftraten. Da es zum Erntebeginn auch keinen Regen gab, blieb die Gesundheit der Trauben größtenteils gut und es mussten keine aufwändigen Beerenselektionen erfolgen. Durch die Steuerung des Lesezeitpunkts hatten die Erzeuger die Möglichkeit, Trauben für verschiedenste Weinstile zu ernten: vom Kabinett über trockenen und feinherbe Guts- und Ortsweine bis zu Großes Gewächs und vollmundigen Spät- und Auslesen. Durch die Sonne eingetrocknete Beeren konnten als Rosinen für die Erzeugung edelsüßer Beeren- und Trockenbeerenauslesen aussortiert werden. Mostgewichte von weit über 100 Grad Oechsle beim Riesling waren daher keine Seltenheit. Die Burgundersorten – mit rund 15 Prozent der Anbaufläche die zweitwichtigste Kategorie an der Mosel – profitierten ebenfalls von der Witterung und brachten hohe Mostgewichte.
Bei Hitze und Dürre setzte der Sommer 2026 neue Rekordmarken. Die Befürchtungen, dass darunter die Qualität leiden würde, erfüllten sich aber glücklicherweise nicht. Der 2026er wird als Jahrgang mit hervorragender Qualität in die Chroniken eingehen. Die Verbraucher dürfen sich auf vollmundige und harmonische Weine freuen.
Foto: Hoch die Trauben! Winzer Max Kilburg aus Wintrich an der Mosel leert bei der Traubenlese in der Steillage im September 2026 eine Traubenbox. Foto: Chris Marmann