Lebhafte Mitspieler für viele Speisen

Warum Moselwein der perfekte Essensbegleiter ist und welche Kombinationen besonders beeindrucken...

Wenn es um die richtige Weinbegleitung eines Essens geht, sind viele Menschen ratlos oder verlassen sich auf die immergleichen Kombinationen. Dabei bietet gerade die Mosel so vielfältige kulinarische Pairing-Erlebnisse wie kein anderes Weinbaugebiet.

Es gibt Menschen, die suchen sich einen passenden Wein zu ihrem Essen heraus. Und dann gibt es jene Genießer, die möchten eine bestimmte Flasche aufmachen und kochen dann dazu. Wer einmal ein perfekt abgestimmtes Speise-Wein-Paar erlebt hat, weiß, wie glücklich das macht. Deutschlands älteste Weinregion, die Mosel, hält dafür aufregende und beeindruckende Erlebnisse bereit.
Kaum eine andere Region beherrscht die gesamte Klaviatur der Weinstilistik so gut. Ob leichte, zarte Kabinett-Vertreter, straff-strukturierte trockene Rieslinge oder edelsüße Elixiere: Die geschützte Ursprungsbezeichnung Mosel hat derart viele unterschiedliche Weintypen, dass jedes Essen und jeder Gang ein passendes Gegenstück erhält. Das gilt besonders in Kombination mit der Hauptrebsorte Riesling.

Sie bringt das Mosel-Terroir am besten ins Glas: Die würzigen Schiefernoten gepaart mit der ausgeprägten Frucht verleihen jeder Speise eine neue, interessante Geschmacksdimension. Dazu kommt ihre rebsortentypische, lebhafte Säure. Gerade in einem mehrgängigen Menü hält das die Lebendigkeit und Spannung auf hohem Niveau und erfrischt den Gaumen.

Zum Auftakt des Abends oder als Aperitif eignet sich ein Kabinett-Wein. Der Kabinett-Stil ist an der Mosel und ihren Nebenflüssen Saar und Ruwer einzigartig. Relativ niedrig im Alkoholgehalt und so leichtfüßig, dass sie optimal einstimmen, ohne zu beschweren. Gerade mit seiner dezenten Restsüße ist Kabinett ein saftiger Wein zum Solo-Genuss oder unkomplizierter Begleiter zu klassischen Canapés und Antipasti. Die meisten Kabinett-Weine haben weniger als zehn Volumenprozent Alkohol und bieten damit einen angenehmen Einstieg, der allen zusagt. Und dank des zarten Geschmacksbilds sind danach viele schöne Steigerungen möglich.  

Das Zusammenspiel aus saftigen Fruchtaromen, Würzigkeit und leichtfüßigem Charakter findet sich in allen Moselweinen wieder, nur mit unterschiedlichem Charakter. Trockene Rieslinge sind die perfekten Begleiter zu leichter Küche mit gegrilltem Fisch oder Geflügel ohne schwere Saucen. Auch kalte Gerichte wie der salzig-mediterrane Salade Niçoise bekommen durch die trockenen Weine aus den Steilhängen einen Konterpart, der hinsichtlich Säure mithalten kann und gleichzeitig eine feine Fruchtnote einbringt.
Sobald etwas auf den Tisch kommt, das von Schärfe und Würze geprägt ist, sollte man Rieslinge mit leichter Restsüße kaltstellen. Das schafft einen kontrastierend-fruchtigen Konterpart, der für Spannung und mehr Genuss sorgt. Insbesondere gilt das für asiatische Gerichte, die vom exotischen Bukett der Mosel-Rieslinge bereichert werden. Wer beispielsweise scharfe Sichuan-Küche liebt, wer gerne mit Ingwer und Chili kocht oder wer einen Begleiter zu rotem Curry sucht, findet mit feinherben  Mosel-Rieslingen genau die Weine, die die Gerichte perfekt inszenieren.

Vegetarische Küche bietet mitunter die beste Vorlage für das große Rieslingkino: Die Kombination aus Zartheit und Kraft auf dem Teller entspricht genau dem Charakter der Moselweine. Bei kräftigen Gemüsegerichten wie Minestrone oder Gemüselasagne, schafft ein trockener, kompakter Riesling einen lebendigen Kontrast, der die würzigen Aromen aufgreift und mit ihnen spielt. Hat man es mit eher grün-frischen Aromen auf dem Teller zu tun, etwa bei Rohkost oder einfachen Salaten, ist Elbling eine sehr gute Alternative. Er hat eine leichte, feine Art, die nichts überlagert und dennoch mehr Spannung einbringt.

Schmorgerichte und Wild hingegen verlangen nach etwas Kräftigerem. Wer denkt, dass man dafür die Mosel und ihre Weißweine verlassen muss, kann sich auf Überraschungen einstellen. Denn die Moselwinzer beherrschen das Handwerk, Weißweine mit langem Reifepotential zu schaffen. Im Alter von 10 bis 15 Jahren entwickeln viele Moselrieslinge neue Aromen, die einen großen Auftritt verlangen: intensive Kräuter- und Tee-Aromen, Honigduft, Mineralität und das bei einer belebenden Frische. Diese Mischung ist der Grund, warum Weinkenner auf der ganzen Welt diese Weine lieben. Und als Essensbegleiter eigenen sich derlei gereiften Raritäten optimal zu Gerichten, die ebenso viel Aufmerksamkeit und Intensität mitbringen. Zum Beispiel Wildgerichte, bei denen die Preiselbeeren durch die fruchtige Rieslingart aufgegriffen werden. Oder die arabische Küche, wo wir ebenso eine Kombination aus intensiver Würze und feinfruchtigen Details wiederfinden. Wer das mit gereiften feinherben Mosel-Rieslingen kombiniert, wird eine solch intensive, geschmackliche Balance erleben, dass Flasche und Teller schneller leer sind, als man sich wünscht.

Und selbst das saftige Steak lässt sich mit Riesling toppen: Wenn die kräftigen Röstaromen von einer gereiften Auslese begleitet werden, greift der Riesling die karamellisierten Aromen auf und schafft eine regelrechte Geschmacksexplosion.  

Wer nach solchen Erlebnissen oder einem Menü gerne einen Digestif trinkt, braucht an der Mosel nicht weit schauen: Es gibt wunderbare Tresterbrände, eine heimische Art des Grappa. Zu den Spezialitäten zählen ebenso die Liköre aus Mosel-Weinbergspfirsich, einer nur in der Region vorkommenden Spezialität. Oder man entscheidet sich für den Wein des Anfangs, nur mit etwas mehr Körper: Denn hochwertiger Riesling-Kabinett kann wunderbar reifen. Er behält seine Leichtigkeit und entwickelt zudem weitere Aromen und Tiefgründigkeit. So ist er der optimale Wein, der auch nach einem spektakulären Menü mithalten kann.

Ein ungewöhnlicher, aber genussvoller Menü-Abschluss ist Winzersekt. Die Moselwinzer setzen längst auch beim Sekt und Crémant auf lange Reifezeiten und vielschichtige Aromen. Gerade mächtigen Desserts bietet das einen frischen Konterpart. Und womöglich ist ein lebhafter Schaumwein von der Mosel die beste Entscheidungshilfe, wenn zum Abschluss eines Essens die Frage auftaucht: Träge ins Bett sinken – oder den Abend einen fröhlichen zweiten Akt verpassen?

  • Weinempfehlungen von trocken bis edelsüß, vom Elbling über Burgundersorten bis zum Riesling, gibt es hier

Foto: Riesling-Huhn; Copyright: DWI