Mosel Weinkulturland

Devonschiefer und Muschelkalk
Die Geologie der Weinbergsböden
Prägend für den besonderen Charakter der Weine von Mosel, Saar und Ruwer sind die Gesteine und Böden. Der „Grundstein“ für den Moselweinbau wurde bereits vor 400 Millionen Jahren gelegt. Im Zeitalter des Devon befand sich im heutigen Moselland ein Ur-Ozean, in dem sich riesige Sedimente bildeten. Diese Ablagerungen waren mehrere Kilometer hoch. Als die Ur-Kontinente Gondwana und Laurussia in Folge tektonischer Bewegungen zusammenstießen, wurden die Grundlagen der heutigen Bodenformationen geschaffen. Der Ur-Ozean wurde zwischen den Kontinentalplatten zusammengeschoben, der Meeresboden unter enormem Druck und hohen Temperaturen zusammengepresst. Die Sedimente wurden zu Schiefer, der schließlich zu einem Gebirge aufgefaltet wurde. So entstand das Rheinische Schiefergebirge, das damals Teil eines Gebirgszuges war, der die halbe Erde umspannte, vom heutigen Nordamerika bis nach Tschechien. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Gestein immer wieder erodiert, gefaltet, das Schiefergebirge eingeebnet, wieder gehoben.

Vor 15 Millionen Jahren begann die Ur-Mosel, diese Landschaft zu formen. Das zunächst breite und geradlinige Flussbett wurde in den jüngsten 2,6 Millionen Jahren mit Hebungen des Schiefergebirges immer tiefer. Es bildete sich der stark mäandrierende Flusslauf, der bis heute diese einzigartige Landschaft prägt. Durch das Einschneiden der Mosel und ihrer Nebenflüsse entstanden die Täler mit steilen Hängen. Dank der günstigen Sonneneinstrahlung bieten die Süd- bzw.-Südwest- und Südosthänge ideale Bedingungen für den Anbau von Weinreben.
Die Hälfte der Weinbergsflächen befinden sich auf devonischem Schiefer: an Saar, Ruwer und der Mittelmosel von Trier bis Zell. Das kalkfreie Gestein prägt den Rieslingwein, der hier so ineralisch ausfällt wie in kaum einer anderen Region. Das 400 Millionen Jahre alte Gestein verwittert sehr leicht, die Bestandteile zerfallen und bereichern den Boden, werden im Grundwasser gelöst und von den Reben aus dem Boden aufgenommen. Je nach Lage findet sich häufig purer Schiefer in allen Schattierungen von grau, blau über braun bis rötlich, häufig mit hohem Steinanteil, aber auch vermischt mit Lehm. Der Schiefer ist oft so feinblättrig, dass er von Hand zerbrochen werden kann. Eine weitere wichtige Eigenschaft des Schieferbodens ist die Wärmespeicherung. Dies ist besonders in den kühlen Herbstnächten ein Vorteil. Vorherrschend ist der dunkle Devonschiefer. Roter Schiefer kommt nur am Beginn der Mittelmosel, bei Schweich, als Weinbergsboden vor.

Eine Besonderheit ist das Rotliegend, ein Gestein vulkanischen Ursprungs, das in Folge von Magmaflüssen in der Wittlicher Senke vor rund 250 M illionen Jahren entstand. Im Mosel-Weinbau gibt es dieses Gestein, auch Rhyolith genannt, nur in Ürzig.
Die Gesteine und Böden der heutigen Terrassenmosel zwischen Zell und Koblenz waren einst Sandstrände und Wattbereiche des Ur-Ozeans. Diese sandigen Sedimente wurden zu Sandstein gepresst. Quarzitische Sandsteine mit Silt- bzw. Schluff- und Tonschiefer bilden heute den größten Teil der Böden am unteren Lauf der Mosel. Die Meeresbereiche mit Lebewesen, wie Korallenbänke, wurden zu kalkhaltigen Sandsteinen, die – ebenfalls mit Silt- und Tonschiefer – einige Lagen der Terrassenmosel prägen.

Ganz anders sieht es am oberen Lauf der deutschen Mosel aus, wo der Fluss die Grenze zu Luxemburg bildet. Dieser Teil des Weinbaugebietes ist geologisch dem Pariser Becken näher als dem Rheinischen Schiefergebirge. Vor 243 Millionen Jahren gab es dort ein flaches Muschelkalkmeer. Aus muschelreichen Ablagerungen und durch Flüsse in das Meer eingetragenen kalkreichen Ton, Silt bzw. Schluff und Sand entstanden Dolomitbänke. Muschelkalk und Mergel mischten sich zu den heutigen Böden. Dolomitfelsen prägen vielerorts das Gesicht der Obermosel. Auf den kalkhaltigen Böden gedeihen vor allem Elbling sowie Burgundersorten.

In den Flussauen lagerten die Mosel und ihre Nebenflüsse Kies und Sandmischungen ab, so genannte Flussterrassensedimente. Diese sind Grundlage der Weinbergsböden in flacheren Lagen, wo häufig Müller-Thurgau und Burgundersorten angebaut werden.